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Creditreform

Von Gerd Zimmermann

Auf seiner Strecke von der Werkstatt zum Ausstellungsgelände der Messe Hamburg hat Jens Dwinger seit ein paar Wochen keine Transportprobleme mehr. Denn cambio, ein führender Anbieter von Carsharing, hat in der Lagerstraße 10, direkt im Messe-Parkhaus, eine neue Station eröffnet. Und nun kann Dwinger spontan und günstig auf ein geeignetes Transportmittel zurückgreifen, wenn sein Kastenwagen mal wieder anderweitig im Einsatz ist.

Mit cambio hat der Messebauer einen Rahmenvertrag geschlossen, der ihn und seine drei Mitarbeiter berechtigt, Fahrzeuge der Gesellschaft kurzfristig stunden- oder tageweise zu mieten. Zur Auswahl stehen acht verschiedene Modelltypen – vom Elektroauto bis zum leichten Nutzfahrzeug. Über eine kontaktlose Chipkarte haben sie Zugang zu den Fahrzeugen, und zwar gegen eine monatliche Grundgebühr und einen zusätzlichen Tarif pro Stunde und Kilometer. Kraftstoffkosten fallen keine an. „Für uns gilt ein Tarif, der auf unsere Anforderungen speziell abgestimmt ist“, freut sich Dwinger. Darin ist auch berücksichtigt, dass seine Beschäftigten nach Arbeitsschluss für private Belange auf das alternative Mobilitätsangebot zugreifen können: maximal drei Stunden pro Woche und Mitarbeiter auf Firmenkosten, danach geht’s mit dem privaten Geldbeutel weiter, aber immerhin noch zum günstigen Firmentarif.

Für Joachim Schwarz, Geschäftsführer von cambio Hamburg, ist dieser Kunde kein Einzelfall: „Immer mehr Unternehmen entdecken die Vorteile des Carsharing für sich und für die Mitarbeiter.“ Das steigende Firmeninteresse sei ein wesentlicher Grund für den Expansionsdrang des Unternehmens. „Schon heute fahren über 45 Prozent unserer Kunden für dienstliche oder gewerbliche Zwecke“, erklärt Schwarz. Werden alle Carsharing-Anbieter betrachtet, mehr als 110 gibt es in Deutschland, liegt der durchschnittliche Geschäftskundenanteil bei zirka 25 Prozent, so der Bundesverband CarSharing (BCS). „Das Spektrum der Nutzer reicht vom Freiberufler, der lediglich ein oder zweimal in der Woche einen Pkw fährt, über Handwerksbetriebe, die zusätzlich zum bestehenden Fuhrpark einen Wagen benötigen, bis hin zu Großunternehmen, Behörden und Banken“, berichtet Verbandsgeschäftsführer Willi Loose.

Generell lässt sich sagen: Je größer das Netz eines Anbieters, desto mehr Gewerbekunden nutzen es – schließlich schätzen diese eine möglichst bundesweite Verfügbarkeit. Ein Mitarbeiter, der zu einem externen Termin mit der Bahn oder dem Flugzeug anreist, sollte vor Ort das Fahrzeug des Carsharing-Partners nutzen können und so Ausgaben fürs Mietauto oder Taxi sparen. Geschäftsreisende, die mit dem Flugzeug unterwegs sind, finden zum Beispiel je eine DB Carsharing-Station an den Flughäfen München, Frankfurt, Stuttgart und Berlin-Tegel. Außer cambio und DB Carsharing sind überregional bis bundesweit aktiv: Greenwheels, Stadtmobil, Car2go, Drive Carsharing und Quicar. Laut Bundesverband verbinden die Firmenkunden mit Größe auch die Werte kurze Wege zu Stationen, professionelle Betreuung und hohe Qualität. Das auch hinsichtlich der Fahrzeugverfügbarkeit: Die jeweils gewünschten Modelle sollten gefälligst auch vorhanden sein. Und damit dies die Anbieter der Mobilitätsalternative stets garantieren können, unterhalten sie Kooperationen mit herkömmlichen Mietwagenfirmen.

So arbeiten etwa Cambio und Greenwheels mit Hertz zusammen, Drive Car Sharing setzt auf Europa Service, Car2go auf Europcar. DB Carsharing fährt zweigleisig. Bei Bedarf werden Fahrzeuge des Schwesterunternehmens DB Fuhrparkservice in Anspruch genommen. Als größter Fuhrparkhalter in Deutschland verfügt die Deutsche Bahn über ein großes Fahrzeugauswahlangebot. Darüber hinaus bestehen beim bahneigenen Sharing-Unternehmen Kooperationsverträge mit den meisten großen Autovermietern. Quicar und Car2go sind auch zwei Beispiele für das Engagement der Autohersteller: Zum VW-Konzern gehört Quicar, zu Daimler Car2go. Drive Now im Münchner Großraum ist ein Carsharing-Angebot von BMW, Mini und Sixt.

Laut BCS und Wuppertal Institut schätzen Firmenkunden besonders, dass es keine Vorbuchungen gibt. Zudem mögen sie die hohe Transparenz durch das einfache Verfahren und die einfache Abrechnung, dass die Fahrzeuge innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen, es ein breitgefächertes Modellangebot gibt und dafür keine lange Parkplatzsuche bei der Fahrzeugrückgabe. Nicht mal Parkfläche auf dem Betriebsgelände muss im Idealfall vorgehalten werden. Meist ergänzt das Mobilitätskonzept den bestehenden Fuhrpark, verhindert Engpässe in dessen Auslastung und ist ein Motivationsinstrument für Mitarbeiter, die privat zugreifen dürfen — so wie die Messebauer aus Hamburg. Bedarfsspitzen mit zusätzlichen eigenen Firmenwagen oder mit Mietwagen zu bewältigen wäre erheblich teurer, so Verbandschef Willi Loose. Dies gelte auch für spezielle Transportaufgaben wie die Beförderung von sperrigen Materialien, wofür eigens ein Nutzfahrzeug benötigt wird. Bezogen auf mögliche Kosteneinsparungen verweisen gewerbliche Kunden auf folgende Pluspunkte: individuelle, bedarfsorientierte Firmentarife, keine Verwaltungs-, Stellplatz- und Fahrzeugwartungskosten, Entlastung des Fuhrparkmanagements und Fuhrparketats. Zu all dem käme ein Image- und Wohlfühlgewinn, denn Carsharing sei „praktizierter Umweltschutz“.

Ursprünglich erschienen in: „Creditreform“ 3/2012