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Knapp 40 Arbeitstage fallen Mitarbeiter im Durchschnitt aus, wenn sie an einem Burnout-Syndrom leiden. Erwischen kann es jeden: Unternehmer, Manager, Fachkräfte, Auszubildende. Doch wie durchbricht man die Spirale des „Immer weiter“, „Immer mehr“ und „Immer schneller“? Fünf Tipps, mit denen Firmen ein gesundes Betriebsklima schaffen – für alle Mitarbeiter.

Störfaktoren  ausschalten

Schon mit einfachen Maßnahmen lassen sich Stressverstärker abstellen. Bei einem hohen Lärmpegel zum Beispiel können Sie das Maß häufig auf ein erträgliches Niveau reduzieren. Etwa durch Umplatzierungen der Arbeitsplätze, mit dem Aufstellen von Akustikwänden oder lärmschluckenden Möbeln. Geschlossene Bürotüren signalisieren mitteilungsbedürftigen Kollegen deutlich: Hier möchte jemand ungestört arbeiten. Und für ständig eingehende Telefonate oder Nachrichten sollten Sie ein stringentes Zeitmanagement entwickeln. „Setzen Sie sich klare Regeln und bündeln Sie bestimmte Aufgaben, die Sie in Ihrer eigentlichen Tätigkeit immer wieder stören – beispielsweise für die Beantwortung der E-Mails oder für Rückrufe“, so Nicole Lazar, Psychologin beim Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung, Köln.

Stress thematisieren

Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen und offensiv über ihre Arbeitsbelastung und ihren Termindruck sprechen – ohne ins Jammern zu verfallen, schließlich müssen sie als Vorgesetzte dem Team Stabilität verleihen. Im Idealfall trauen sich nun die gestressten Mitarbeiter, sie anzusprechen, und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Seminare oder Vorträge helfen zusätzlich, die Belegschaft zu sensibilisieren und Abhilfestrategien einzuführen. Johannes Ringel, Gesellschafter des Architekturbüros RKW Architektur +  Städtebau in Düsseldorf, hat eine weitere Lösung gefunden: Er ernannte zwei Kollegen zu Ombudsleuten. An sie können sich die rund 300 Mitarbeiter wenden, wenn ihre Belastung zu hoch wird, sie das Gespräch mit ihren Vorgesetzten aber scheuen. In diesen Fällen vermitteln die Ombudsleute.

Warnsignale beachten

„Führungskräfte tragen eine hohe Verantwortung – für ihre persönliche Leistungskraft, aber auch für die ihrer Mitarbeiter“, sagt Karin Probst von der FU Berlin. Wer genau hinschaut, erkennt schon früh erste Warnhinweise. Etwa: Sie wissen morgens nicht, mit welcher der Aufgaben Sie beginnen sollen? Sie können sich keinen Überblick mehr über Jobs und Termine verschaffen? Sie haben das Gefühl, dass die Aufgaben nur noch auf Sie einstürzen  und Sie ständig Ihrem Zeitplan hinterher sind? „Dies alles sind Zeichen dafür, dass Sie zu viel Stress haben und dringend etwas dagegen unternehmen sollten“, mahnt Psychologin Lazar. Die Symptome treten auch im privaten Umfeld auf: Wer morgens noch schwerer als gewöhnlich aus dem Bett findet, abends keine Lust mehr hat, etwas zu unternehmen, oder nur unregelmäßig Nahrung zu sich nimmt, kann ebenfalls burnoutgefährdet sein.

Positive Einstellung ausstrahlen

„Machen Sie doch fünf Minuten einfach mal nichts“, fordert Stress- und Burnout-Präventionsberaterin Karin Probst. Wenn die Auszeit nicht gelingt, rät sie: „Notieren Sie ganz spontan, was Ihnen heute gutgetan hat, womit Sie zufrieden sind oder was Ihnen an einem Kollegen Freude bereitet hat.“ Die so erlangte positive Grundeinstellung strahlt auch auf die Kollegen ab, da sich das Wohlfühlklima im persönlichen Umfeld verbessert hat. Weiter geht, wer sogar versucht, jeden Tag einige seiner Mitmenschen glücklich zu machen: mit Lob, verbaler Anerkennung oder zuvorkommenden Gesten.

Externe  Hilfe holen

Spätestens, wenn die eingeleiteten Maßnahmen nicht zu einer Reduzierung der stressbedingten Ausfalltage führen, sollten sich Unternehmer ohne Scham nach einer externen Unterstützung umschauen. RKW-Gesellschafter Ringel hat diesen Schritt gleich zu Beginn vollzogen: Über einen persönlichen Kontakt zur Diakonie Düsseldorf lernte er eine Ärztin kennen, die auf Stresskrankheiten spezialisiert ist. Mit ihr schloss er einen Vertrag ab, in dem die Medizinerin bei akuten Fällen eine Erstberatung innerhalb von 24 Stunden garantiert. „Das kostet zwar Geld, verhindert aber die sonst üblichen langen Wartezeiten und somit eine unnötige Verschleppung der Krankheit“, so Ringel. Auch die Krankenkassen vermitteln Fachleute und geben Tipps zu interessanten Förderprogrammen. Bei der Auswahl der Unterstützung sollten Firmen wählerisch sein: „Die Chemie zwischen Arzt und Firma beziehungsweise Mitarbeitern sollte stimmen. Wenn Sie merken, dass dies nicht der richtige Ansprechpartner ist, kommunizieren Sie das offen und suchen Sie lieber noch einmal erneut“, so Psychologin Lazar.