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Als der Fahrer der neuen Mercedes-Benz „E-Klasse“ im Werbefilm fragt: „Siri, wie kommst du in mein Auto?“, lässt sich Apples digitale Sprachassistentin nicht lumpen: Mit ihr lassen sich während der Fahrt unter anderem Navigation mit Echtzeitverkehrsdaten, Internet, Twitter, Facebook, Glympse und Radio sicher und bequem steuern – Heinzelmännchen-Qualitäten also, die vor allem Geschäftsreisende erfreuen dürften. Siri im Auto erkennt via Sprache Fragen und Kommandos, findet Kontaktdaten, führt Telefonwünsche aus, nimmt Diktate auf und setzt sie in Schriftform um, erstellt Listen, versendet Nachrichten, regelt den E-Mailverkehr, liest Benachrichtigungen vor, vereinbart Termine, erledigt Internetrecherchen und besorgt die Routenplanung.

Fast eine Milliarde Euro hat der Stuttgarter Autokonzern in die Erneuerung des Modells der oberen Mittelklasse gesteckt. Zum einen, weil die E-Fahrzeuge zu den Brot und Butter-Autos des Konzerns gehören – zum anderen, weil in dieser Fahrzeugklasse der Limousinenanteil traditionell hoch ist und die Zeichen noch dazu auf Wachstum stehen. Denn Limousinenfahrer – rund 80 Prozent davon übrigens sind Dienstwagenfahrer – wünschen sich den Premium- Komfort: modernste Technologien und natürlich höchste Sicherheitsstandards wie Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandswarner, Notbremsassistent, Spurhaltefunktion, Müdigkeitswarner, Verkehrsschilderkennung und Einparkhilfe. Mit der modernisierten E-Klasse würden einmal mehr neue Zeichen in der automobilen Weiterentwicklung gesetzt, trommelt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Keine überraschende Aussage, schließlich bestimmen Mercedes-Benz sowie Audi und BMW schon seit Jahren die Höhe der Messlatte in der Ober- und Mittelklasse. Seit jeher übrigens die Klassen mit den meisten Stufenheckmodellen. Doch der Wettbewerb schläft nicht und forciert neue Design-Lösungen, was die Renaissance der Limousine natürlich ebenfalls begünstigt. Neben attraktiveren Karosserieformen sind dabei eine größere Angebotsvielfalt und besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis maßgeblich. Die bogenförmige, coupéartige Dachpartie mit flach liegender Heckscheibe ist ein wesentliches Merkmal der heutigen Karosserielinienführung, die die inneren Werte aber nicht einschränkt: vier Türen, reichlich Platz auf den Vorder- und Rücksitzen, möglichst großer Kofferraum. Für so manchen Fuhrparkverantwortlichen ist das Coupéhafte, das den typischen Stufenknick im rückwärtigen Karosserieteil nur noch andeutet, ein fließender Übergang zwischen Stufenheck- und Fließheck-Modellvarianten.

Coupé-Limousinen

Tatsächlich sprechen Marketingstrategen bei Autoherstellern längst von Coupé-Limousinen: Zu diesen rechnet etwa BMW sein Gran Turismo-Modell „5er GT“. Porsche spricht, mit Verweis auf den Panamera, von Sportlimousinen. Ebenfalls verschwommen erscheint die Grenze zur Kompaktklasse. So bewerben einige Subaru-Händler den neuen „Impreza“ als Limousine. Der Hersteller selbst sieht in ihm eher ein Kompaktmodell. Für Nikolaus Reichert, Leiter der Skoda-Unternehmenskommunikation, gibt es die Bezeichnung Kompaktlimousine, die für den „Skoda Rapid“ und den „VW Jetta“ gelte. Für Chevrolet trifft das auch auf die Modelle „Aveo“ und „Cruze“ zu. Und der ADAC betont, heutige Karosserieformen hätten nichts mehr mit jenen zu tun, die Limousinen einst die Beinamen Beamten- oder Rentner-Kutsche einbrachten.

Die erweiterte Angebotsvielfalt basiert zum einen auf einem größeren Fahrzeugprogramm: Mehr Motorvarianten und Hybrid-Modelle kamen dazu. Zum anderen aber auch auf umfangreicheren Ausstattungsmöglichkeiten, meist gibt es mehrere Ausstattungslinien. Beim neuen „Skoda Octavia“ beispielsweise heißen sie Active, Ambition und Elegance und unterscheiden sich in punkto Sicherheit, Komfort, Innen- und Außenausstattung sowie Kommunikation, einschließlich Navigation und Musik. Hinzu kommen ergänzende Ausstattungspakete gegen Aufpreis wie etwa das Lichtpaket. „Die gewählte Ausstattungslinie und sinnvoll zusammengestellte Optionspakete ermöglichen unseren Kunden, die i40 Limousine ganz nach individuellen Bedürfnissen zu ordern“, wirbt auch Thomas Dietz, Marketingleiter bei Hyundai Deutschland. Audi setzt derweil in Sachen Individualität noch einen drauf: Spezielle Individualofferten – gemeint sind Kombinationen mit Holzverzierungen, farbigem Leder und Sonderlackierungen – sollen das Fahrzeug ganz sicher unverwechselbar machen. Doch auch die Listen mit Serienausstattung sind länger geworden. Besonders in punkto Sicherheit wurde nachgelegt, so gibt es vielerorts auch den Knieairbag für den Fahrer ab Werk.

Überhaupt gelangen Ausstattungs-Highlights der automobilen Oberklasse heute viel schneller in die Mittelklasse. Tendenziell seien die technischen Klassenunterschiede geringer geworden, bestätigt Ferdinand Dudenhöffer, Chef am CAR – Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen. Für geringeren Kraftstoffverbrauch sorgen etablierte Spritsparhelfer wie Leichtbau, Start-Stopp-Systeme, Bremskraftrückgewinnung, Direkteinspritzung, Downsizing und rollwiderstandsarme Reifen. Ein Musterbeispiel, wie verbrauchs- und emissionsarm eine Mittelklasse-Limousine sein kann, ist der „Peugeot 508“: Mit dem Dieseltriebwerk e-HDI 84 kW/115 PS begnügt er sich im Eurotestmix mit 4,0 Litern auf 100 Kilometer und verursacht dabei 104 g/km CO2-Emissionen. Der „BMW 320d Efficient Dynamics“ mit 120 kW/163 PS benötigt 4,1 Liter und pustet 109 g/km in die Luft.

Neue Limousinen-Modelle

Zu den Gegnern der deutschen Vormachtstellung im Limousinengeschäft gehört die Toyota-Luxustochter Lexus. Sie hofft in der Oberklasse mit dem überarbeiteten Flaggschiff „LS“ zu punkten. Noch in diesem Jahr will Bentley mit dem neuen „Flying Spur“-Modell mitmischen. Cadillac postiert sich mit dem „ATS“ neu. In Deutschland vielleicht, auf Märkten wie den USA und in Asien aber sicher will auch Kia in der Oberklasse mit den neuen Modellen „Cadenza“ und „K9“ antreten. Nissans Nobeltochter Infiniti beabsichtigt mit einer Elektro-Limousine Boden gutzumachen. Maserati will sich in der zweiten Jahreshälfte 2013 mit dem auf Vordermann gebrachten „Quattroporte“ und mit der neuen Limousine „Ghibli“ mehr Marktanteile einverleiben. In der Mittelklasse soll der neue Ford „Mondeo“ noch in diesem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mazda hat sich mit dem überarbeiteten „Mazda6“ schon in Stellung gebracht, ebenso Skoda mit seinem Neumodell „Rapid“ und seinem überarbeiteten „Octavia“. Und Seat tritt mit dem neuausgerichteten „Toledo“ an.

Zu den Reaktionen von Audi gehört ab Mitte dieses Jahres eine neue Limousine auf „A3“-Basis. Im Spätsommer dann fährt der überarbeitete „A8“ vor. BMW beabsichtigt im Herbst den aufgefrischten „5er“ in die Verkaufsräume der Händler zu bringen. Auch für den „3er“ ist noch im laufenden Jahr eine Erfrischungskur vorgesehen – und mit dem „3er GT“ darüber hinaus eine Modellerweiterung. Mercedes-Benz schickt neben der aufgemöbelten „E-Klasse“ ab September die rundumerneuerte „S-Klasse“ ins Rennen.

Gerd Zimmermann