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Creditreform

Nehmen spezialisierte Dienstleister die Energieversorgung von Firmen in die Hand, können diese Kosten sparen. Denn Contractoren finanzieren, bauen oder modernisieren und betreiben die Anlagen zur Energieerzeugung und sorgen für effizienten Energieeinsatz beim Nutzer.

Orchideen mögen es gerne warm und feucht. Bedingungen, welche die Pflanzen in unseren Breitengraden nur in Gewächshäusern vorfinden. Wie zum Beispiel beim Gärtnerbetrieb Orchideen von Miquel aus Billerbeck bei Münster. Auf 17.500 Quadratmetern gedeihen hier unter Glas 25 verschiedene Orchideenarten. Auf der Suche nach einer wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Wärmeversorgung für die Gewächshäuser entschied sich Inhaberin Maria Schlieker für eine besondere Einkaufsvariante: „Wir beziehen bei einem Dienstleister nur die tatsächlich benötigte Energie für die Wärme – und das sogar kostengünstig.“ Positiver Nebeneffekt: Anstatt in eine eigene Heizungsanlage zu investieren, stehen diese finanziellen Mittel nun für andere Vorhaben der Gärtnerei zur Verfügung.

Risiken senken, Ökobilanz verbessern

Contracting nennen es die Experten, wenn ein Dienstleister ein Unternehmen mit der benötigten Energie versorgt. Dabei kann es sich zum Beispiel um Kälte, Wärme, Strom oder auch Druckluft handeln. In der Regel sind die Anbieter, die Contractoren, bestrebt, die neueste Technik einzusetzen. Das reduziert beim Unternehmen nicht nur das Risiko, dass seine Energieanlage ausfallen könnte, sondern auch die Emissionen. Zudem kann sich die Firma als Contracting-Nehmer ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Bei dieser Fülle an Vorteilen ist es kein Wunder, dass Contracting auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist: So verzeichnen allein die knapp 270 Mitgliedsunternehmen des Verbands für Wärmelieferung e.V. für 2013 einen Zuwachs von fünf Prozent bei der Zahl der Energielieferungsverträge auf rund 48.200 Aufträge. Ihr Jahresumsatz stieg von 2,18 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 2,31 Milliarden Euro im Jahr 2013 – das entspricht einem Plus von rund sechs Prozent.

Interessierte Unternehmen können unter diversen unterschiedlichen Angeboten wählen. Die Billerbecker Orchideenzüchter etwa realisieren ein klassisches Energieliefer-Contracting. „Die Planung, die Finanzierung, der Bau, die laufende Wartung, die Betriebsführung der Anlage und die Brennstoffbeschaffung – alle Aufgaben übernehmen die Stadtwerke Düsseldorf“, so Schlieker. Um die Wärmeenergie beziehen zu können, musste das Unternehmen kaum Veränderungen auf dem eigenen Grundstück vornehmen. Nur ein Abgasrohr und ein unscheinbarer grüner Stahlcontainer, in dem ein 12-Zylinder-Spezialmotor leise vor sich hin summt, verrät die Neuerung. Sie ist für 8.000 Volllaststunden pro Jahr ausgelegt und erzeugt in dieser Zeit kostengünstig und umweltfreundlich 1.920.000 Kilowattstunden Strom und 2.680.000 Kilowattstunden Wärme. Doch die Technik hat es in sich: Die moderne Anlage weist einen Nutzungsgrad von 90 Prozent auf – was die Energieeffizienz der Gärtnerin enorm steigerte. Selbst die Strahlungswärme des Motors, die häufig ungenutzt verloren geht, findet Verwendung: Sie erwärmt das Wasser, mit dem die Pflanzen gegossen werden.

Ihre Energieeffizienz gesteigert hat auch die Johann-Wilhelm-Ritter-Klinik in Bad Rothenfelde bei Osnabrück, die seit einiger Zeit ebenfalls auf Energieliefer-Contracting setzt. Der Klinikbereich aus drei Gebäudeteilen umfasst immerhin eine Heizfläche von insgesamt 5.000 Quadratmetern. In der Vergangenheit übernahmen zwei Erdgas-Heizzentralen mit 633 Kilowatt die Wärmeversorgung. Doch Fehler bei der Warmwassererzeugung, eine defekte Schaltung und eine fehlende gleitende Vorlauftemperatur führten zu hohen Energieverbräuchen und -kosten. Eine neue Heizungsanlage musste her. „Die wollten wir aber nicht selber finanzieren“, berichtet Klinik-Geschäftsführer Horst Ratmann.

Rundum-Service für die Wärme

Ein Angebot der OVE Objekt-Versorgung mit rationellem Energieeinsatz GmbH & Co. KG am gleichen Ort überzeugte ihn: Der Contractor finanzierte und installierte die komplette technische Ausstattung der neuen Heizanlage inklusive Brennwertkessel und Brennwerttherme. Inbegriffen ist auch eine digitale Regelung mit Fernüberwachung. Zusätzlich richtete die OVE ein elektronisches Störmelde- und Fernwirksystem ein. „Damit erhalten wir lange, bevor ein Störfall auftritt, eine Warnung – und können eingreifen“, erläutert OVE-Geschäftsführer Stephan Peters. Als weiteren Service übernimmt der Dienstleister das Energie-Controlling und überwacht, wartet und repariert die Anlage. Das Ergebnis des Fremdbetriebs kann sich sehen lassen: „Wir konnten unseren Erdgasverbrauch um 28 Prozent senken“, freut sich Klinik-Chef Ratmann, der mit dieser Summe den Contracting-Anbieter, der sich nun um alle Arbeiten in puncto Wärme kümmert, entlohnen kann.

In einem Video der Energieagentur NRW können Sie noch einmal nachschauen, wie Contracting funktioniert. Außerdem haben wir noch einen Leitfaden und einen Mustervertrag für Sie.

 

Vier Varianten des Contractings

Unternehmen, die Contracting nutzen wollen, haben die Wahl unter den folgenden Ausprägungen:

  • Energieliefer-Contracting: Der Contractor plant, baut, finanziert und unterhält eine Anlage zur Bereitstellung von Energie. Der Contracting-Nehmer bezieht die Energie zu festgelegten Konditionen. Vertragsgegenstand ist die Lieferung von Energie. Die Effizienzmaßnahmen des Contractors richten sich auf die Optimierung der Anlage selbst (zum Beispiel Optimierung der Heizungsanlage, Erzeugung von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlage).
  • Energiespar-Contracting: Der Contractor übernimmt Finanzierung, Planung, Umsetzung und Betreuung von Energiesparmaßnahmen. Er garantiert eine Energiekosteneinsparung für den Contracting-Nehmer. Dafür setzt der Contractor Energiesparmaßnahmen um, die insgesamt den Energiebedarf reduzieren. Von den gesparten Energiekosten erhält er anteilig eine Vergütung.
  • Betriebsführungs-Contracting: Dieses unterscheidet sich von der Energieliefer-Variante lediglich dadurch, dass der Contractor eine vorhandene Anlage übernimmt und optimiert.
  • Finanzierungs-Contracting: Der Contractor plant, finanziert und errichtet eine Anlage zur Energiebereitstellung. Der Contracting-Nehmer bedient, überwacht und repariert sie. Über die Vertragslaufzeit erfolgt die Tilgung der Anlagenkosten. Hier steht die Finanzdienstleistung in Verbindung mit der professionellen Auswahl der Energieanlage im Vordergrund.