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Creditreform

Talent, Fleiß, Loyalität, Zuschüsse, Reputationsgewinn: Warum sich die Inklusion von Mitarbeitern mit Behinderung für Unternehmer gleich mehrfach lohnt.

Auf der Suche nach Fachkräften werben viele Unternehmer sogar im Ausland um Talente – dabei lebt quasi vor ihrer Haustür ein millionenköpfiges Erwerbspotenzial, das allzu viele Firmenlenker noch immer nicht abrufen: 3,3 Millionen Bundesbürger mit Behinderungen sind laut IW Köln im Alter von 15 bis 64 Jahren, mehr als die Hälfte davon gilt als gut qualifiziert, etwa mit schulischer oder beruflicher Ausbildung zur Fachkraft.

Und obwohl es eine Beschäftigungspflicht für Behinderte gibt, zahlen viele Chefs lieber Strafe in Form einer Ausgleichsabgabe von monatlich bis zu 320 Euro pro Stelle, statt von den Fähigkeiten dieser Mitarbeiter zu profitieren – und hierfür sogar noch Zuschüsse vom Staat zu erhalten. Die folgenden Denkanstöße machen den Weg frei für die Inklusion behinderter Mitarbeiter, von der übrigens auch die Arbeitgebermarke profitiert:

Stellen für Mitarbeiter mit Behinderung schaffen

Viele körperliche Behinderungen lassen sich durch Hilfsmittel ausgleichen, sodass der Mitarbeiter ebenso effektiv arbeiten kann wie seine Kollegen ohne Einschränkungen. „Einige Beschäftigte mit Lernbehinderung tun sich vielleicht schwer mit der Theorie“, sagt Andrea Kurtenacker vom Informationsportal Rehadat – „doch in der Praxis erweisen sich viele von ihnen als sehr präzise, handwerklich geschickt und äußerst loyal.“ Zudem kann der Unternehmer seine Beschäftigten bei deren Kernaufgaben entlasten, indem er ihnen kleinere Aufgaben wegnimmt und diese in einer neuen, behindertengerechten Stelle bündelt. Bei einem solchen „Job Carving“ unterstützen übrigens die Berater des Integrationsamts.

Förderung für Inklusion abrufen

Finanzielle Hilfe gibt es sowohl bei der Ausbildung und Neuanstellung behinderter Mitarbeiter als auch bei der Einrichtung ihrer Arbeitsplätze. Bezuschusst werden beispielsweise die Ausbildungsvergütung – in Einzelfällen sogar zu 100 Prozent –, das Schaffen neuer Stellen, sofern sie langfristig behinderten Mitarbeitern vorbehalten bleiben, die Ausstattung von Arbeitsplätzen und Dienstfahrzeugen oder die Prüfungsgebühren. Zudem winken den Arbeitgebern Eingliederungszuschüsse sowie finanzielle Unterstützung für eine bis zu dreimonatige Probebeschäftigung.

Welche Beschäftigungsquoten und Ausgleichsabgaben gelten für wen? Welche Personalvermittler helfen bei der Bewerbersuche? Wie viel Zuschuss gibt es wofür? Alle Antworten finden Sie hier.

Inklusion: Talente finden

„Bei der Neubesetzung einer Stelle muss die Firma prüfen, ob diese sich mit einem schwerbehinderten Bewerber besetzen lässt“, sagt Kurtenacker. In der Regel reiche hierfür die Meldung der Ausschreibung an die Arbeitsagentur. Neben der staatlichen Vermittlung gibt es auch zahlreiche – teilweise allerdings nur regional aktive – Personalvermittler und Jobportale speziell für Menschen mit Behinderung.

Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung einrichten

„Wenn ein Betrieb Menschen mit Behinderungen beschäftigt, muss die Arbeitsstätte deren Sicherheits- und Gesundheitsbelange berücksichtigen. Auch hierzu berät das Integrationsamt“, sagt Robert Freumuth von der Stiftung Myhandicap. Er unterscheidet zwischen der allgemeinen Barrierefreiheit im Betrieb, die allen Mitarbeitern zugutekomme, und der „behinderungsgerechten Gestaltung“ des jeweiligen Arbeitsplatzes. Welche Anpassungen hierfür nötig sind, hängt von der Beeinträchtigung des Kollegen ab. „Rampen für Mitarbeiter mit Gehbehinderung, spezielle Arbeitsplatzbeleuchtung und Blendungseinschränkung für Mitarbeiter mit Sehbehinderung oder die Verminderung der Störgeräusche für Beschäftigte mit Hörbehinderung reichen oft aber aus“, so Kurtenacker. Für so manchen Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung – etwa durch Diabetes – ist Robert Freumuth zufolge überhaupt keine Anpassung nötig.