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Lieferkettenengpässe, Ukraine-Krieg und aktuell noch drastische Erhöhungen der Energiepreise – viele Mittelständler stehen unter massiven Handlungsdruck. In der Materialwirtschaft und Logistik sind Interim Manager derzeit besonders gefragt.

 

Interim Manager kommen dann an Bord, wenn Unternehmen Unterstützung für dringende und komplexe Projekte brauchen, für die im Tagesgeschäft weder das Know-how noch die Kapazitäten vorhanden sind.

„Die Anfragen der Unternehmen werden immer spezifischer. Die DDIM-Interim Manager, die gut aufgestellt sind und sowohl eine breite Branchenerfahrung als auch Spezialwissen mitbringen, sind sehr gut ausgelastet“, stellt Dr. Marei Strack, Vorstandsvorsitzende der DDIM – Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e.V. fest.

Insgesamt sei der Markt mit neuen Branchen und Themenfeldern breiter geworden. Neben den traditionellen Einsatzbranchen Automotive und Maschinenbau kommen die DDIM-Interim Manager in 2022 auch verstärkt in der Konsumgüterindustrie und im Bereich Transport & Logistik zum Einsatz.

Das zeigt das Ergebnis der jährlichen Prognose-Umfrage unter rund 550 Interim Managern und Managerinnen und rund 30 Providern, die als Vermittler agieren.

Die größte Nachfrage, so ein weiteres Ergebnis, geht bereits das zweite Jahr in Folge mit jeweils über 40 Prozent vom Mittelstand aus, gefolgt von Konzernen und Familienunternehmen.

„Mittelständler haben erkannt, dass man mit einem hochqualifizierten externen Experten vorrübergehend das Know-how einkauft, um die Themen schnell und lösungsorientiert umzusetzen“, sagt Strack.

 

Sanierungsthemen nehmen an Fahrt auf

Ob Einkauf, Lagerlogistik oder Supply-Chain-Management – in diesen Bereichen stellen die Provider einen deutlichen Nachfragezuwachs fest, wobei sich ein Shift der Aufgaben in den Mandaten feststellen lässt.

Lag in den vergangenen Monaten der Fokus vor allem auf dem Erhalt der Lieferfähigkeit und der Gestaltung möglichst risikominimierter Lieferketten, geht es in vielen Unternehmen jetzt vermehrt um Kostensparen und -transparenz aufgrund steigender Material- und Energiekosten.

„Interim Manager sind erfahren darin, Strategien zur Kostensenkung der Supply Chain umzusetzen, Preisverhandlungen mit Lieferanten zu führen oder sicherheitsrelevante Themen wie den Aufbau fehlender Logistikkapazitäten zu managen“, sagt Annette Elias, Geschäftsführerin von Interim Profis.

Dass viele Mittelständler aufgrund der Materialknappheit ihr Geschäftsmodell überdenken müssen, beobachtet Martin Ludwig Mayr, Geschäftsführer von GOiNTERIM: „Prozesse in der Supply Chain müssen effizient aufgestellt, auch digitalisiert werden. Interim Manager, die über Know-how im Bereich Change-Management und Prozessoptimierung verfügen, sind stärker nachgefragt denn je.“

Was im zweiten Halbjahr noch deutlich an Fahrt aufnehmen wird, sind Sanierungs- und Restrukturierungsmandate, so die Prognose Mayrs. Das sei den wegfallenden Corona-Hilfen und der Insolvenzantragspflicht geschuldet.

 

Vom Generalisten zum Spezialisten

Werden Interim Manager nach wie vor vielfach auf Geschäftsführer-Ebene als CEO, CFO oder COO eingesetzt, vermitteln die Provider aufgrund zunehmender Komplexität der Projekte immer mehr Interim Manager als Spezialisten, zum Beispiel als Industrial Engineer, als Spezialist für IT-Projekt Management oder für Cyber Security.

Da auch Mittelständler gesetzlich verpflichtet sind, ihre Nachhaltigkeitsauflagen zu erfüllen, suchen sie Unterstützung beim Thema Umwelt und Nachhaltigkeit, stellt Martin Ludwig Mayr fest: „Es gibt noch zu wenige Interim Manager, die das Wissen hierfür mitbringen. Daher qualifizieren wir sie zum zertifizierten ESG-Spezialisten.“

Ob auf Geschäftsführer-Level oder als Spezialist: Viele der Honorarkräfte auf Zeit arbeiten unter Hochdruck, Zwölf-Stunden Tage sind keine Seltenheit. Auch haben Remote-oder Hybrid-Einsätze deutlich zugenommen.

Dass der Tagessatz bei Remote-Einsätzen günstiger sein muss, ist mittlerweile vom Tisch: „Viele Unternehmen haben erkannt, dass die Qualität der Arbeit nicht gelitten hat, und die Führung von Mitarbeitenden in diesem Setting deutlich anspruchsvoller ist“, sagt Annette Elias.

Interim Manager sind vom ersten Tag an produktiv und können mit ihrem externen kritischen Blick schnell Probleme identifizieren und die nötigen Stellhebel setzen“, sagt Marei Strack. Für die Auftraggeber sei der wirtschaftliche Nutzen des externen Experten schnell sichtbar.

„Dringende Projekte ein halbes Jahr vor sich herzutragen, ist deutlich teurer als die Investition in einen Interim Manager.“ Sie dauerhaft zu beschäftigen, ist nicht im Sinne beider Parteien. Nach Beendigung des Mandats hat sich der Manager erfolgreich überflüssig gemacht.

Fakten zum Einsatz und der Vermittlung von Interim Managern

  • Vermittlung: Interim Management-Provider vermitteln entsprechend des Anforderungsprofils des Kunden kurzfristig geeignete und verfügbare Kandidaten aus ihrem Pool. Hierfür erhalten sie eine Provision, die durchschnittlich bei zirka 25 Prozent des Gesamthonorars liegt, das der Kunde bezahlt.
  • Verträge: Vertragsbestandteile der individuell vereinbarten Dienstleistungsverträge sind unter anderem: Beschreibung der Ziele und Aufgaben, die geplante Einsatzdauer und die gewünschte Einsatzintensität pro Woche, der vereinbarte Tagessatz.
  • Vergütung: Die knapp 600 DDIM-Interim Manager sind durchschnittlich rund 150 Tage im Einsatz und erhalten einen durchschnittlichen Tagessatz von knapp über 1.200 €. Je nach Qualifikation, Erfahrung und Verantwortungsbereich sind auch Tagessätze von 2.500 € möglich.
  • Return on Interim Management: Für einen Euro Honorar erwirtschaften acht von zehn Interim Managern mindestens zwei Euro Ertrag.

Quelle: Dachgesellschaft Deutsches Interim Management e. V. (DDIM)