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Die Landwirtschaft muss vor allem ihre Emission an Treibhausgasen reduzieren. Das gilt sowohl für ökologische als auch für konventionelle Betriebe. Doch wo stecken in beiden Bewirtschaftungsformen die größten Einsparpotenziale bezüglich klimaschädlicher Gase? Ein vierjähriges Forschungsprojekt, das im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführt wird, untersucht die Einsparpotenziale in landwirtschaftlichen Betrieben. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

Die Wissenschaftler untersuchten die Energieflüsse und die Freisetzung klimaschädlicher Gase auf je 40 ökologischen und konventionellen Pilotbetrieben in Deutschland. Professor Kurt-Jürgen Hülsbergen von der Technischen Universität München (TUM) wies darauf hin, dass bei konventionellen Betrieben vor allem durch den Zukauf von Stickstoffdünger und synthetischen Pflanzenschutzmitteln ein erheblicher Energieinput entstehe, da ihre Herstellung extrem energieaufwändig sei.

Klimafreundliche Fütterung

Bei Ökobetrieben ist dieser Energie-Input im Durchschnitt dagegen nur halb so hoch. Dieser Unterschied wird jedoch laut Hülsbergen durch die deutlich höheren Erträge im konventionellen Bereich zum Teil wieder aufgefangen. Um auf einzelbetrieblicher Ebene die Energieeffizienz und Freisetzung klimaschädlicher Gase zu optimieren, müssten seiner Ansicht nach individuelle Empfehlungen ausgesprochen werden. Hier bestehe noch großes Potenzial.

Das gilt auch für den Bereich der Milchviehhaltung, so Helmut Frank von der TUM. Hier lägen die Treibhausgasemissionen pro Liter Milch im Ökobereich bei gleicher Leistung etwa 20 Prozent niedriger als bei konventioneller Milch. Aber auch hier gibt es große Unterschiede in beiden Produktionsformen, die stark vom jeweiligen Betriebsmanagement abhängen. Als mögliche Ansätze einer klimafreundlichen Fütterung nennt Frank die Steigerung der Milchleistung, eine grundfutterbasierte, standortangepasste Ration mit möglichst wenig Zukauffuttermitteln (Soja) und eine längere Nutzungsdauer der Kühe.

CO2-Bilanz verbessern

Im Ackerbau geht es vor allem darum, die Effizienz bei der Stickstoffdüngung zu optimieren. Das betonte Professor Gerold Rahmann vom Thünen-Institut. Nicht genutzter Stickstoff belastet die Klimabilanz unnötig. Auch eine vielfältige Fruchtfolge mit Leguminosen, eine weniger intensive Bodenbearbeitung und organische Düngung sind hinsichtlich der Klimawirkung und Energieeffizienz vorteilhaft.

Einig sind sich alle Experten darin, dass speziell im Ökobereich höhere Erträge mit geringeren Schwankungen wünschenswert sind, um die Klimabilanz zu verbessern. Als großes Plus der ökologischen Wirtschaftsweise sehen sie den Humusaufbau im Boden an, der sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirke und zudem die Bodenfruchtbarkeit erhalte. (al)

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