Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Ein weiteres Praxisbeispiel, diesmal mit der Zielgruppe „jugendliche Käufer“, sind der Accessoire-Anbieter Caseable und seine individuell zu designenden Smartphone-Hüllen und E-Book-Cover: Über die Webseite des Unternehmens können die Kunden ihre ganz persönliche Schutzhülle mit eigenen Bildern oder Mustern für ihren digitalen Liebling erstellen.

Apropos digital: Die Digitalisierung hat den Siegeszug von Mass Customization möglich gemacht. „Der Spagat zwischen niedrigen Herstellungskosten und Einzelfertigung erschien früher unmachbar“, erinnert sich Professor Huber. Erst die heutigen Informations- und Kommunikationstechnologien wie etwa der Produktkonfigurator bei Caseable brächten „das für den Käufer optimale Produkt mit den Fähigkeiten des Unternehmens zusammen“. Allerdings sei der Konfigurationsprozess dahingehend zu implementieren, dass er den Aufwand für den Nutzer so niedrig wie möglich hält.

Mass Customization bringt kaum Mehrkosten

Für den Anbieter muss die Portfolioerweiterung hin zur individuellen Massenware nicht mal teuer sein: „Idealerweise gehen die Mehraufwände, also die Grenzkosten, gegen null“, sagt Julian von Hassell, Direktor der börsennotierten Social Commerce Group. Die Holding hat als Beteiligung unter anderem die Staramba GmbH im Portfolio – ein Berliner Startup, das sich auf die Produktion digitaler und analoger 3-D-Merchandising-Produkte spezialisiert hat.

Welche neuen Herstellungsverfahren und Geschäftsideen – wortwörtlich zum Anfassen – der 3-D-Druck im Mittelstand bringt, erfahren Sie hier.

Auch hier bietet die Digitalisierung dem Unternehmen die Möglichkeit, individualisierte Produkte kostengünstig anzubieten. Staramba stellt unter anderem fotorealistische 3-D-Figuren von Manuel Neuer und anderen Prominenten her. Mehr noch: Der Kunde kann sich als Produktentwickler einbringen, indem er die Figuren mit einem Konfigurator selbst zusammenstellt und arrangiert. So kann er sogar sein eigenes 3-D-Selfie an die Seite von Thomas Müller stellen und sich dann gemeinsam mit dem FC-Bayern-Star ausdrucken lassen.

Für den Firmenstart braucht es aber mehr als nur 3-D-Drucker: „Was oft den entscheidenden Unterschied ausmacht, sind die Scantechnologie und die Bildnachbearbeitung.“ Anhand dieser Kriterien kann sich ein investitionsfreudiger Anbieter von der Konkurrenz und potenziellen Nachahmern absetzen.

In der Tat haben Unternehmen, die im Bereich von Mass Customization tätig sind, häufig mit Nachahmern – mit Copycats – zu tun. Denn Geschäftsmodelle, die auf einem Baukastenprinzip beruhen, lassen sich schnell reproduzieren. Umso wichtiger, die eigene Marke schnell voranzutreiben und den Vorsprung zu halten.

Mass Customization

© Fotolia; Creditreform-Magazin 03/2016