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Creditreform

Unternehmen sparen mit Kfz-Flottenpolicen sowohl Verwaltungsaufwand als auch Kosten. Schon ab drei Fahrzeugen im Fuhrpark winken Versicherer mit Vorteilen. So halten Unternehmer die Prämien niedrig.

Für jeden Dienstwagen eigens eine Kfz-Versicherung abschließen? Das ist doch unübersichtliches Stückwerk. Außerdem wäre der Verwaltungsaufwand viel zu hoch“, sagt Dirk Müller-Haastert. Der Geschäftsführer der Pinneberger Cart Care Company GmbH setzt deshalb für seinen elf Wagen umfassenden Fuhrpark auf eine Flottenversicherung. „Mit einem Rahmenvertrag sparen wir Ressourcen und nicht zuletzt auch Zeit.“

Weniger Verwaltungsaufwand

Das Beispiel zeigt: Selbst für wenige Firmenfahrzeuge lohnt sich ein einheitlicher Flottentarif. Kommen weitere Wagen hinzu, werden sie einfach mit der gleichen Prämie versichert. Der im Privatsektor übliche Schadenfreiheitsrabatt spielt keine Rolle. Vielmehr errechnet sich der Beitrag aus dem Schadenverlauf des kompletten Fuhrparks. Dabei gilt: Wer schadenfrei fährt, profitiert von einer günstigen Rabattklasse und demzufolge von einer niedrigen Police. Da die Prämie die individuelle Verlaufsrabattklasse der Flotte abbildet, ergeben sich insbesondere bei solchen Fahrzeugen, die sonst in weitaus teurere Schadenfreiheitsklassen eingestuft würden, deutliche Kostenvorteile. Ferner erfordert ein Rahmenvertrag weniger Verwaltungsaufwand als Einzelpolicen.

Auf die Höhe der Versicherungsprämie nehmen die Anzahl der Fahrzeuge, die Typen, der Standort, die Unternehmensbranche, die schadenfreien Jahre und andere Faktoren Einfluss. Darüber hinaus kann die Kfz-Flottenversicherung um weitere Leistungen ergänzt werden, zum Beispiel um Fahrerversicherung, Autopannen- Schutzbrief sowie eine GAP-Deckung zur Schließung der Lücke zwischen Wiederbeschaffungswert und Leasingrestbetrag. Die treffsichere Bewertung und das Ermitteln des optimalen Versicherungsschutzes erfordern seitens des Versicherers große Erfahrung – und nicht zuletzt auch eine glückliche Hand. „In einem Versicherungsjahr kann so einiges passieren, das einfach nicht vorhersehbar gewesen ist – deshalb ist die Fuhrparkversicherung ein ziemlich schwieriges Geschäft“, weiß Boris Burchartz vom Versicherungsmakler Pontzen und Partner in Krefeld.

© Igor Zakowski/fotolia.com

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Doch ab welcher Fuhrparkgröße können Unternehmen von den vorteilhaften Kfz-Flottenversicherungen profitieren?

Die gute Nachricht vorweg: Billiger wird’s nicht erst im Dutzend. Stattdessen warten Assekuranzen bereits für kleinere Fuhrparks mit Angeboten auf – individuelle Specials für Startups oder bestimmte Branchen inklusive. Genaues Hinsehen bei Policen und Leistungskatalogen lohnt also in jedem Fall. Generell lässt sich die Prämienberechnung wie folgt ableiten:

• Kleine Flotten (drei bis neun Fahrzeuge) werden häufig, wie Privattarife, nach dem bestehenden Schadenfreiheitsrabatt eingestuft. Bei Erweiterung des Fuhrparks starten die neuen Wagen allerdings mit einer günstigeren Einstufung. Zudem offerieren manche Versicherungen attraktive Einstiegspakete mit weiteren Goodies wie etwa einer Bessereinstufung für den Dienstwagen des Geschäftsführers oder Inhabers.
• Mittlere Flotten (zehn bis 29 Fahrzeuge) lassen sich zu einem einheitlichen Beitragssatz – unabhängig vom Schadenfreiheitsrabatt – je Fahrzeug versichern. Als Richtschnur dient meist die Schadenquote der letzten drei Jahre.
• Große Flotten (ab 30 Fahrzeuge) werden üblicherweise nach dem Stückkostenmodell versichert. Für jedes Fahrzeug vereinbaren die Vertragspartner eine feste Prämie nach Fahrzeugart und Leistungsklasse (Pkw, Lkw, Zweirad, Pedelec, Anhänger und anderes). Hier ist ebenfalls die Schadenquote der letzten drei Jahre maßgeblich für die Prämienbemessung. Große Fuhrparks mit entsprechendem Beitragsvolumen decken Versicherer mitunter auch mit Festprämien ab.

In der Zusammensetzung des Fuhrparks sind der Vielfalt keine Grenzen gesetzt. Die Flottenversicherung umfasst alle Arten von Motorfahrzeugen:

• Krafträder und Leichtkrafträder/-roller, Pedelecs, Trikes und Quads
• Pkws
• Lieferwagen, Lkws und Sattelzugmaschinen
• landwirtschaftliche Zugmaschinen und Anhänger
• Anhänger und Auflieger
• Wechselaufbauten
• Lehr-, Werk- und Hotelomnibusse

Wie bei einer Privatpolice gilt: „Auf gestiegene Schadenquoten reagieren die Versicherer mit entsprechend höheren Prämien“, sagt Fachmann Boris Burchartz. In Extremfällen können sogar Kündigungen drohen. Doch der Versicherungsexperte beruhigt: „Haarig wird‘s ab einer Schadenquote von 70 Prozent.“ Doch so weit muss es nicht kommen. Die Unternehmen haben es durchaus selbst in der Hand, die Prämien niedrig zu halten. Das Stichwort lautet „Schadenprävention“: Fahrsicherheitstrainings, Bonussysteme für unfallfreies Fahren oder das disziplinarische „Einnorden“ notorischer Verkehrsrowdys können helfen, das Schadenaufkommen in den vereinbarten Grenzen zu halten, wenn nicht sogar zu senken. Darüber hinaus bringen eine gegebenenfalls höher gesetzte Selbstbeteiligung und ein qualifiziertes Schadenverhütungsmanagement spürbare Prämieneinsparungen.

Unfallauswertung inklusive

Bei Schadenprävention und aktivem Schadenmanagement stehen die Versicherer übrigens unterstützend zur Seite. „In Kooperation mit den Unternehmern analysieren wir die individuellen Schadendaten der Firmenflotte“, erläutert Harald Seliger, Kfz-Experte der R+V-Versicherungsgruppe. Nach der Auswertung werden mit der Firmenleitung gezielte Schadenverhütungsmaßnahmen wie Fahrerschulungen oder die technische Aufrüstung mit zusätzlichen Fahrassistenten vereinbart. „Wer seine Fahrzeuge mit einem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP), einem Abstandsregeltempomaten und einem Spurassistenten ausstattet, kann Unfälle etwa um ein Drittel reduzieren“, erläutert der Spezialversicherer Kravag in seinen Unterlagen. Investitionen, die am Ende das Firmenbudget schonen können: „Auf diese Weise“, lässt die Kravag sich bereitwillig in die Karten gucken, „spart der Unternehmer erhebliche Schadennebenkosten und ist bei der nächsten Prämienverhandlung für seine Fahrzeugflotte deutlich im Vorteil.“