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Mit diesen Techniken werden Lkws umweltfreundlicher und sparen Unternehmen Spritkosten.

Noch sind rein elektrisch betriebene Lkws in Deutschland die absolute Ausnahme. Nur im Großraum Berlin scheint sich schon ein Zentrum von lediglich per Strom angetriebenen Trucks herauszukristallisieren. Dort beliefern etwa die 18-Tonnen-Fahrzeuge des Schweizer Herstellers E-Force die Supermärkte von Lidl und Rewe nahezu lautlos mit gekühlten Lebensmitteln. Die Elektroaggregate der Lkws sind mit einer Geräuschemission von gerade einmal 45 Dezibel leiser als die Abrollgeräusche der Reifen und bringen dennoch pro Fahrzeug bis zu 408 PS auf die Straße. Mit den beiden Lkws des eidgenössischen Anbieters spart der Betreiber, die Ludwig Meyer GmbH & Co. KG aus Friedrichsdorf, „im Vergleich zu Dieselfahrzeugen zwei Drittel Energie ein, so Geschäftsführer Matthias Strehl.

Trotz des höheren Anschaffungspreises rechnet sich laut E-Force der E-Lkw im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug schon bei einer jährlichen Laufleistung von rund 40.000 Kilometern – bei täglichem Einsatz des Fahrzeugs leicht zu übertreffen. Positiver Nebeneffekt: Emissionen erzeugt das Fahrzeug nur indirekt über den Strom aus der Steckdose. Die CO₂-Einsparung gegenüber einem Lkw mit Dieselmotor gibt E-Force mit 750 Gramm pro Kilometer an.

Nachteil elektrischer Lkws ist ihre geringe Reichweite

Rund 300 Kilometer Reichweite mit einer Batterieladung vermeldet E-Force für seine Lkws – zu wenig für die meisten Unternehmer, die Ladungen national oder gar international transportieren müssen. Kein Wunder also, dass sich bisher elektrisch betriebene Lastwagen auf breiter Front noch nicht durchgesetzt haben.

Spritkosten mit dem GPS-Tempomat senken

Doch auch bei herkömmlichen Antrieben können Unternehmer mit einigen technischen Möglichkeiten tagtäglich viel Treibstoff und damit Spritkosten sparen. Eine noch recht neue Entwicklung sind die sogenannten GPS-Tempomaten. Mithilfe von GPS- und Kartendaten berechnen diese Assistenzsysteme Steigungen und Gefälle vorher – und schaffen somit die Grundlage für etwas, was Fahrer in Schulungen lernen: vorausschauendes Fahren. So nimmt das System vor einer Steigung Schwung und fährt noch vor einem Gefälle die Leistung zurück. GPS-Tempomaten legen auch die richtigen Gänge ein: Vollautomatisch geht es bergauf oder bergab, stets mit passendem Gang und der gewünschten Geschwindigkeit, wenn nötig wird auch vollautomatisch abgebremst. Praktisch ist das immer dann, wenn Trucker die Streckenbeschaffenheit schlecht abschätzen können, also etwa bei Nachtfahrten, schlechten Sichtverhältnissen und auf unbekannten Strecken.

Den Erfolg dieser Fahrweise belegte zum Beispiel Daimler mit seinem vorausschauenden Tempomaten Predictive Porwertrain Control PPC (Preis: rund 1.650 Euro): eine Verbrauchsersparnis von drei Prozent auf Langstrecken, also etwa einem Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer.

Grüne Reifen könnten Spritkosten um 70 Millionen Euro senken

Eine andere Maßnahme, mit der sich der Verbrauch drücken lässt, betrifft den Rollwiderstand – hierauf entfallen rund 40 Prozent der vom Fahrzeug aufgebrachten Energie, so eine Studie von Roland Berger. Ein Praxistest des TÜV Rheinland zeigt: Leichtlaufpneus, sogenannte Grüne Reifen, senken den Verbrauch bei Lkws um rund 8,5 Prozent. Würden alle rund 14.300 in Deutschland zugelassenen 40-Tonner mit Leichtlaufpneus ausgerüstet, ergäben sich Nettoeinsparungen an Spritkosten von knapp 70 Millionen Euro jährlich. Zudem reduzierten sich die Treibhausgasemissionen pro Jahr um rund 150.000 Tonnen, so der TUV.

Design für mehr Umweltschutz

Ab einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde wird auch der Luftwiderstand zunehmend wichtiger. Dieser lässt sich durch die aerodynamische Gestaltung des Fahrzeugaufbaus senken. Ein Praxistest des Fahrzeugbauers Kiesling zeigt die Auswirkungen: Er schickte zwei identische Fahrzeuge, eines ohne Spoiler und eines mit Spoiler ausgerüstet, auf eine Vergleichsfahrt. Das Ergebnis: Das mit einem Spoiler ausgestattete Fahrzeug kam mit rund 1,34 Litern auf 100 Kilometern weniger aus. Die CO₂-Emission wurde durch den geringeren Verbrauch um 35,5 Gramm pro Kilometer gesenkt.

Aerodynamik senkt Spritkosten deutlich

Dass in der Fahrzeuggestaltung noch mehr Einsparpotenzial steckt, hat auch der Gesetzgeber eingesehen und erlaubt den Herstellern, ab 2018 komplett optimierte Lkws mit weniger Luftwiderstand auf den Markt zu bringen. Die verbesserte Aerodynamik der Fahrzeuge an Fahrerkabine, Auflieger oder Heck wird den Kraftstoffverbrauch im Lkw-Fernverkehr um voraussichtlich sieben bis zehn Prozent senken. Bei einem im Fernverkehr eingesetzten Truck, der durchschnittlich 100.000 Kilometer pro Jahr zurücklegt, bedeutet dies Einsparungen von 5.000 Euro pro Jahr.

 

 

Die LKWs der Zukunft

Selbstfahrende Fahrzeuge sind keine bloße Zukunftsversion mehr, sondern werden bereits in der Praxis erprobt – das gilt auch für Lkws, wie diese Szenarien zeigen:

Szenario 1: Der Lkw denkt selbst

Ruhig und sicher gleitet der Lkw auf der rechten Spur eines gesperrten Autobahnteilstücks bei Magdeburg dahin, bremst und beschleunigt – ganz von alleine, ohne Zutun des Fahrers. Der autonom fahrende Lkw kann auch automatisch ausscheren und ein Pannenfahrzeug passieren oder den Weg für einen von hinten nahenden Rettungswagen freimachen, der sich via Datenaustausch zuvor angekündigt hat. Möglich wird all das dank im Bordcomputer hinterlegten Karten und Fahrspurmarkierungen, die den Lkw positionsgenau auf der Autobahn verorten. An Front und Seite des Lkws angebrachte, bis zu 250 Meter „vorausschauende“ Radarsensoren speisen das System mit Daten.

Szenario 2: Oberleitungen über der Autobahn

Für das Siemens-Projekt „E-Highway“ wurden auf Lkws Stromabnehmer montiert. Sie können bei einer Geschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometern an Oberleitungen an- und abgekoppelt werden. Für Strecken, auf denen keine Oberleitungen zur Verfügung stehen, sind die Lastwagen zusätzlich mit Diesel- oder Gasmotoren ausgestattet. Wird die Verbindung zum Stromnetz gekappt, übernimmt automatisch der Motor den Antrieb. Erste Ergebnisse von einer Teststrecke in den USA werden im Sommer erwartet.

Szenario 3: Die Sprit sparende Kolonne

Anfang April 2016 wurde in den Niederlanden die European Truck Platooning Challenge veranstaltet. Eine automatisierte Form des Konvoifahrens, die dank dichtem Auffahren möglichst viel Platz und Treibstoff sparen soll. Die sechs teilnehmenden Hersteller rüsteten hierzu ihre Lkws mit GPS, Radar, WLAN und anderen Assistenzsystemen aus. Das erste Fahrzeug gibt dabei die Richtung und die Geschwindigkeit vor. Die Abstände – meist nur 15 Meter – sind so berechnet, dass der Luftwiderstand besonders gering ist. Fährt ein Auto zwischen die Lkws, nehmen sie automatisch einen Sicherheitsabstand ein.