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Creditreform

„Die US-Notenbank löste im September 2013 Euphorie an den Börsen aus, allerdings nur kurzfristig. Entgegen der Erwartungen der meisten Marktteilnehmer beschloss sie keine Reduzierung ihres Anleihekaufprogramms“, heißt es in einer Mitteilung der Postbank. Die Fed bleibe damit noch auf dem geldpolitischen Gaspedal und kaufe jeden Monat US-Staats- und Immobilienanleihen für 85 Milliarden US-Dollar auf. Bei vielen Börsianern habe dieser Überraschungscoup Glücksgefühle ausgelöst, die allerdings nur einen Tag anhielten. Bereits am Folgetag normalisierten die Kurse sich wieder. „Den Akteuren dürfte klar geworden sein: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die schrittweise Reduzierung der Liquiditätszufuhr wird kommen“, kommentiert Chef-Investmentstratege Dr. Marco Bargel. „Noch liefert die lockere Geldpolitik den Treibstoff für Kursgewinne – doch langfristig sind es die Gewinnerwartungen der Unternehmen, die über die Entwicklung der Aktienindizes entscheiden.“ (mil)

Weitere Einschätzungen der Postbank:

Gewinnwachstum für Europas Firmen

Nach Berechnungen der Postbank bedeutet jeder Prozentpunkt, den die Weltwirtschaft stärker als drei Prozent im Vorjahresvergleich wächst, ein reales Gewinnwachstum von zehn Prozent für Europas Firmen. Für die Gewinnentwicklung im laufenden Jahr komme die konjunkturelle Erholung allerdings zu spät. Vor allem das schwache Wirtschaftswachstum im ersten Quartal laste auf der Gesamtjahresrate. Noch treibe das billige Geld die Aktienkurse.

Investition in Anlagen

Die Postbank erwartet, dass europäische Unternehmen in den kommenden Jahren wieder stärker in ihre Anlagen investieren werden. Aktuell belaufen sich die Anlage-Investitionen im Euroraum nur auf 12,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 14,5 Prozent. Die konjunkturelle Erholung weltweit, aber auch im Euroraum, sollte die Firmen animieren, wieder in neue Maschinen und die Infrastruktur ihrer Produktionsstätten zu investieren. Die Finanzierungsbedingungen für derartige Investitionen sind überwiegend günstig. Doch nicht nur niedrige Zinsen helfen. Europas Unternehmen sitzen auf dicken Kapitalpolstern. Weltweit weisen die Unternehmen Cash-Positionen von 4.060 Milliarden US-Dollar bzw. zehn Prozent der Bilanzsumme aus, eine Steigerung um 80 Prozent seit 2003. Die konjunkturelle Erholung und die anziehenden Investitionen sollten europäische Aktien beflügeln, zumal steigende Unternehmensgewinne eine gesunde Basis für fundamental unterfütterte Kurssteigerungen bilden.

Fair bewertete Leitindizes

Aufgrund der Export-Lastigkeit der im Dax gelisteten Unternehmen dürfte sich der deutsche Leitindex laut Postbank-Analyse noch einige Prozentpunkte besser schlagen als der Euro Stoxx 50. Auf Sicht von zwölf Monaten erwartet die Postbank den Dax im Bereich von 9.750 Punkten und den Euro Stoxx 50 bei 3.200 Zählern. „Nimmt man die Gewinnerwartungen für 2015 als Grundlage, dann sind beide Leitindizes auch nach diesen Kursanstiegen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von weniger als 12 weiterhin fair bewertet.“

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