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Creditreform

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Arbeitnehmer haben in der Corona-Krise die Flexibilität im Homeoffice schätzen gelernt. Doch auch für die Arbeit am heimischen Schreibtisch gibt es Gesetze und Regeln – und viele offene Fragen. Etwa zur Übernahme von Kosten.

 

Gibt es einen Rechtsanspruch auf Homeoffice?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte angekündigt, einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorzulegen, doch noch gibt es keinen Anspruch auf Homeoffice.

„Darüber kann jeder Arbeitgeber selbst entscheiden“, erklärt Dr. Reimo Richarz, Experte für Arbeitsrecht der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells am Standort München. In vielen Betrieben regeln Richtlinien oder Vereinbarungen wer wann von zu Hause aus arbeiten darf.

 

Homeoffice oder Mobile Office?

„Wenn Mitarbeiter dauerhaft von Zuhause arbeiten, kann mal von ‚echtem‘ Homeoffice sprechen“, sagt Richarz. Haben sie nur diesen Arbeitsplatz und keinen im Betrieb, gilt das laut Arbeitsstättenverordnung als Telearbeit.

„Dann muss der Arbeitgeber die Kosten für Schreibtisch, Computer und Co. sowie für die Nutzung des Wohnraums übernehmen.“ Die meisten Unternehmen haben derzeit allerdings eher Mobile-Office-Regelungen, bei denen Mitarbeiter ihren Laptop aus dem Büro mitnehmen und flexibel an einem Ort ihrer Wahl arbeiten.

 

Was gilt für vorrübergehende Heimarbeit?

Waren Mitarbeiter während des Lockdowns komplett im Home Office oder gewähren Unternehmen diese Möglichkeit nun weiter als Benefit, müssen sie kaum Mehrkosten fürchten. „Eine Übernahme der anteiligen Wohnungsmiete kommt in der Regel nicht infrage“, sagt Richarz.

Das Gleiche gelte für Internet- und Telefonanschluss, die meist als Flatrate angeboten werden. Lediglich Verbrauchskosten, etwa für Strom- und Heizung könnten anteilig berechnet werden. Exakte Beträge seien allerdings schwer zu ermitteln.

Wie vermeiden Unternehmen Streit über Homeoffice-Kosten?

„Wer es noch nicht getan hat, sollte schriftlich Regelungen dazu treffen“, empfiehlt Richarz. Bei Kostenübernahmen sollten Unternehmen abwägen, wie hoch diese im Vergleich zum Einkommen der Mitarbeiter sind.

„Bei höheren Einkommen bietet sich eine Abgeltung mit dem Arbeitsentgelt an“. Alternativ könnte ein geringe Pauschale angesetzt werden. Hinsichtlich der laufenden Kosten etwa seien 20 Euro pro Monat angemessen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es steuerlich?

Wer zuhause ein separates Arbeitszimmer hat, kann versuchen, die Kosten fürs Home- oder Mobile Office steuerlich abzusetzen. „Noch ist aber nicht klar, wie kulant die Behörden für das Jahr 2020 sind oder ob das Steuerrecht noch angepasst wird“, sagt Richarz.

Er empfiehlt deshalb, vorsorglich die Dauer der Homeoffice-Tätigkeit zu dokumentieren und sämtliche damit zusammenhängende Kostenbelege aufzubewahren. Eine Pflicht seitens des Arbeitgebers etwas zu bescheinigen, gebe es nicht.